Eltern von Kita-Kindern außen vor

23.04.2020 | Pressemitteilung Familienbund

Der Familienbund fordert Perspektiven für Eltern – Bund-Länder-Arbeitsgruppe berät

Im Regen stehen gelassen – so fühlen sich dieser Tage zahlreiche Eltern mit Kindern im Kita-Alter. Während Schulkinder ab dem 4. Mai teilweise wieder in die Schule gehen dürfen, gibt es bei Kitas keine konkrete Perspektive für eine Öffnung. Der Familienbund der Katholiken fordert die Landesregierung mit Nachdruck dazu auf, analog zu den Schulen auch für Kitas ein wohlüberlegtes Konzept für eine vorsichtige teilweise Öffnung zu erarbeiten und zeitnah umzusetzen.
 
Freiburg, 23.04.2020 – „Dass Kinder unter fünf Jahren bei den Überlegungen zur Lockerung des Shutdowns außen vor bleiben, ist nicht nachvollziehbar, geschweige denn fair“, sagt Michael Hagedorn, Sprecher des Familienbund-Leitungsteams in Freiburg. „Zum einen haben auch Kitas einen Bildungsauftrag, der unter Normalbedingungen stets hochgehalten wird, jetzt aber scheinbar vergessen ist. Zum anderen wird Eltern von kleinen Kindern, die aktuell unter besonderem Druck stehen, die Hoffnung auf baldige Besserung der Lage genommen.“ Zur Eindämmung der Virusinfektionen sei die Schließung der Einrichtungen ein wichtiger Schritt gewesen, stellt Hagedorn klar. Nach wie vor müsse sehr umsichtig agiert werden. „Dennoch, bei allem Verständnis für die grundsätzlich notwendigen Einschränkungen – Eltern einfach auf das nächste Kita-Jahr zu vertrösten, wird der außergewöhnlichen Leistung und den Opfern, die Familien gerade erbringen, keineswegs gerecht.“
 
Kritisch äußert sich auch Mareike Kunter, Professorin für Pädagogische Psychologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main: „Für Eltern ist es ein enormer Unterschied, ob man ein Schulkind oder ein Krippenkind zu Hause hat. Homeoffice mit kleinen Kindern ist einfach kaum möglich. Auf Dauer ist eine solche Belastung nicht auszuhalten.“ Hinzukommt, dass die Kinder über längere Zeit von ihren sozialen Kontakten abgeschnitten werden und zuhause auf engem Raum oft einem erhöhten Konfliktpotential ausgesetzt sind – und das in einem Alter, das für das ganze Leben prägend ist. Nicht umsonst spricht der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, von einem schweren Grundrechtseingriff, der verfassungsrechtlich gerade mit Blick auf das Kindeswohl höchst bedenklich ist.
 
Umso wichtiger ist es, Eltern und Kindern jetzt eine Perspektive zu geben. Der Familienbund der Katholiken begrüßt Vorstöße von Familienministerin Franziska Giffey, die in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe Schritte hin zu einer vorsichtigen teilweisen Öffnung von Kinder-Tagesstätten und Spielplätzen in den Blick nimmt. Wohlüberlegte, sinnvolle Vorschläge für eine solche Öffnung gibt es bereits. Gleichzeitig appelliert der Familienbund an die Landesregierung, diese Schritte zeitnah umzusetzen, Eltern zu entlasten und die soziale Benachteiligung von Kindern zu beenden.